Nachtflug mit Drohnen: Mythen und Fakten im Faktencheck

Viele Piloten glauben, dass Nachtflüge mit Drohnen generell verboten oder extrem gefährlich sind. Wir räumen mit den häufigsten Missverständnissen auf und zeigen, was wirklich hinter den Regularien steckt.

Die Nacht als unbekanntes Terrain

Wenn die Sonne untergeht und die Stadt in Lichter getaucht wird, beginnt für viele Drohnenpiloten eine faszinierende Welt voller Möglichkeiten. Nachtaufnahmen haben einen besonderen Reiz: Die Lichtspuren der Autos, die funkelnden Skyline-Silhouetten und die dramatischen Schatten erzeugen Bilder, die bei Tageslicht schlicht unmöglich wären. Doch gleichzeitig ranken sich zahlreiche Mythen und Halbwahrheiten um das Thema Nachtflug.

Die einen behaupten, dass Nachtflüge generell verboten seien und bei Verstößen empfindliche Strafen drohen. Die anderen winken ab und meinen, dass moderne Drohnen ohnehin alles von allein erkennen und man sich keine Sorgen machen müsste. Die Realität liegt, wie so oft, somewhere in between. In diesem Artikel nehmen wir die verbreitetsten Mythen unter die Lupe und erklären dir, was wirklich stimmt – und was nicht.

Besonders relevant ist dieses Thema für Besitzer von Premium-Drohnen wie der DJI Mavic 3 Pro oder der DJI Air 3S, die mit ihren hochentwickelten Sensorensystemen und exzellenten Kameras eigentlich prädestiniert für Nachtaufnahmen wären. Doch bevor du nachts abhebst, solltest du die Fakten kennen.

Mythos 1: Nachtflug ist in Deutschland generell verboten

Der Mythos: Viele Einsteiger gehen davon aus, dass Drohnenflüge bei Dunkelheit grundsätzlich untersagt sind. Diese Annahme ist so weit verbreitet, dass viele Piloten das Potenzial ihrer Nachtaufnahmen niemals ausschöpfen.

Die Wahrheit: Das stimmt so nicht. In Deutschland ist der Nachtflug nicht generell verboten, unterliegt aber strengen Auflagen. Gemäß der EU-Drohnenverordnung (EU) 2019/947 und dem deutschen Luftverkehrsgesetz dürfen Drohnen bei Nacht betrieben werden, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

Die Erklärung: Für den legalen Nachtflug in der offenen Kategorie (EU-Klasse C0 bis C4) gelten folgende Grundregeln: Du musst die Drohne ständig im Sichtfeld behalten, was bei Nacht durch geeignete Beleuchtung gewährleistet sein muss. Zusätzlich muss die Drohne mit Positionslichtern ausgestattet sein, die während des gesamten Fluges eingeschaltet sind. In der Kategorie A1/A2 (führerscheinfreier Bereich bis 250g) ist Nachtflug grundsätzlich erlaubt, sofern du die Sichtfeld-Regel einhältst. Für schwerere Drohnen wie die Mini 4 Pro (249g) oder die DJI Air 3S (720g) gelten dieselben Regeln – entscheidend ist das Gewicht und die jeweilige Unterkategorie.

Mythos 2: Man braucht eine spezielle Nachtflug-Zulassung

Der Mythos: Es kursiert die Meinung, dass für Nachtflüge eine separate Genehmigung der Luftfahrtbehörde erforderlich sei – ähnlich wie bei Flügen in Kontrollzonen.

Die Wahrheit: Diese Aussage ist falsch. Eine spezifische Nachtflug-Zulassung gibt es in der deutschen und europäischen Regelung nicht. Was du brauchst, ist der reguläre Drohnenführerschein (A1/A3 oder A2), falls deine Drohle über 250g wiegt.

Die Erklärung: Der Drohnenführerschein A1/A3 ist für alle Drohnen zwischen 250g und 900g erforderlich, während der A2 für schwerere Geräte Pflicht ist. Diese Zertifikate berechtigen dich sowohl zu Tag- als auch zu Nachtflügen – eine zusätzliche Genehmining speziell für die Nacht ist nicht notwendig. Wohlgemerkt: In bestimmten Lufträumen (etwa in der Nähe von Flughäfen) gelten generelle Einschränkungen, die auch Nachtflüge betreffen. Aber hier geht es nicht um die Tageszeit, sondern um die räumliche Restricted Area. Die DJI Mavic 3 Pro mit ihren 958g erfordert übrigens den A2-Führerschein, der theoretisch auch Nachtflüge abdeckt.

Mythos 3: Moderne Drohnen erkennen Hindernisse nachts genauso gut

Der Mythos: Da Drohnen wie die DJI Air 3S oder Mavic 3 Pro mit omnidirektionalen Sensoren ausgestattet sind, gehen viele Piloten davon aus, dass diese Systeme auch bei Dunkelheit zuverlässig funktionieren.

Die Wahrheit: Das ist ein gefährlicher Irrtum. Die meisten optischen Sensoren und Kamerasysteme benötigen ausreichend Umgebungslicht, um Hindernisse zuverlässig zu erkennen.

Die Erklärung: DJI setzt bei seinen Premium-Drohnen auf verschiedene Sensorentypen: Sichtsensoren (Kameras), Infrarotsensoren und Ultraschallsensoren. Sichtsensoren funktionieren bei schwachem Licht deutlich schlechter, da sie auf visuelle Kontraste angewiesen sind. Infrarotsensoren sind weniger lichtabhängig, haben aber eine begrenzte Reichweite und erkennen keine Objekte ohne Wärmeunterschied. Die omnidirektionale Hindernisvermeidung der DJI Mavic 3 Pro (mit APAS 5.0) oder der DJI Air 3S ist daher nachts keineswegs so zuverlässig wie am Tag. Der Hersteller empfiehlt explizit, sich nicht auf diese Systeme bei Dunkelheit zu verlassen. Du solltest immer manuell steuern und genügend Sicherheitsabstand zu Hindernissen einhalten. Das Fazit: Technologie ist kein Ersatz für vorsichtiges Fliegen bei Nacht.

Mythos 4: Beleuchtung ist nur für die Optik da

Der Mythos: Viele denken, dass die blinkenden Lichter an Drohnen rein dekorativen Zwecken dienen oder lediglich dafür sorgen, dass der Pilot die Drohne besser sieht.

Die Wahrheit: Die Beleuchtung erfüllt eine sicherheitsrelevante Funktion und ist in vielen Fällen sogar gesetzlich vorgeschrieben.

Die Erklärung: Gemäß der EU-Drohnenverordnung müssen Drohnen, die bei Nacht betrieben werden, mit Positionslichtern ausgestattet sein. Diese Lichter dienen mehreren Zwecken: Sie ermöglichen es anderen Luftverkehrsteilnehmern, deine Drohne zu erkennen und einzuschätzen, wo sie sich befindet und in welche Richtung sie fliegt. Für dich als Pilot sind sie wichtig, um die Lage und Ausrichtung deiner Drohne auch bei größeren Entfernungen im Dunkeln einzuschätzen. Die Mini 4 Pro hat trotz ihrer kompakten Bauweise integrierte LED-Leuchten, die bei Nachtflügen unverzichtbar sind. Achte darauf, dass die Batterien deiner externen Beleuchtung (falls verwendet) vollständig geladen sind – ein Ausfall der Positionslichter kann im Ernstfall zu kritischen Situationen führen.

Mythos 5-7 und praktische Sicherheitstipps

Mythos 5: Versicherungen decken keine Nachtflüge. Das ist nicht korrekt. Die Haftpflichtversicherung für Drohnen (in Deutschland Pflicht) deckt grundsätzlich auch Nachtflüge ab – sofern diese legal durchgeführt werden. Fliegst du ohne gültigen Führerschein oder in eingeschränkten Lufträumen, kann jedoch der Versicherungsschutz entfallen. Prüfe daher vor deinem Nachtflug stets die Bedingungen deiner Police.

Mythos 6: Nachtflüge sind immer gefährlicher. Diese pauschale Aussage stimmt nicht. Zwar erhöhen Dunkelheit und eingeschränkte Sicht das Risiko, doch bei entsprechender Vorbereitung, korrekter Ausrüstung und Erfahrung sind Nachtflüge durchaus sicher durchführbar. Entscheidend sind Faktoren wie Geländekenntnis, Wetterbedingungen und das Beherrschen der manuellen Steuerung.

Mythos 7: Die Drohne verhält sich nachts anders. Physikalisch verhält sich eine Drohne bei Nacht genauso wie am Tag – Gravitation, Auftrieb und Motorleistung ändern sich nicht. Was sich ändert, sind die äußeren Bedingungen: weniger visuelle Referenzen, erschwerte Tiefenwahrnehmung und potenzielle Windbedingungen, die du schwerer einschätzen kannst.

Praktische Sicherheitstipps für deinen nächsten Nachtflug: Starte und lande stets an gut beleuchteten Orten, um die Orientierung nicht zu verlieren. Halte die Drohne in geringer Entfernung und nutze den Return-to-Home-Modus mit angepasster Höhe. Die DJI Air 3S mit ihrer langen Flugzeit von 46 Minuten gibt dir genügend Puffer, um entspannt zu arbeiten. Vergiss nicht, dass die empfohlene Batteriekapazität bei Nachtflügen höher sein sollte – reserve mindestens 30% für die sichere Rückkehr.

← Alle Ratgeber
Impressum Datenschutz Kontakt Cookie-Einstellungen