Drohnen über 250g: MUSS ich wirklich einen Drohnenführerschein machen?

Fünf hartnäckige Mythen über die Drohnenführerschein-Pflicht im Faktencheck – und warum die Realität oft anders aussieht, als du denkst.

Das Gewichts-Limit: Warum 250g die magische Grenze sind

Wenn du dich jemals mit dem Drohnenrecht in der EU beschäftigt hast, bist du garantiert schon über die magische Grenze von 250 Gramm gestolpert. Für viele Piloten – besonders Einsteiger – scheint diese Zahl der heilige Gral zu sein: Alles darunter ist erlaubt, alles darüber erfordert einen Führerschein. So einfach, so gut.

Aber halt – so einfach ist es dann doch wieder nicht. Die Realität ist komplexer, und genau deshalb ranken sich so viele Mythen und Missverständnisse um dieses Thema. In diesem Artikel räumen wir mit den verbreitetsten Irrtümern auf und erklären dir, was wirklich gilt – und was nicht.

Zunächst die Grundlagen: Seit Januar 2021 gilt in der gesamten Europäischen Union eine einheitliche Drohnenverordnung. Diese Verordnung teilt Drohnen in drei Gewichtsklassen ein und legt unterschiedliche Anforderungen an jeden Piloten. Das Gewicht spielt dabei eine zentrale Rolle, ist aber bei Weitem nicht der einzige Faktor.

Die Krux an der Sache: Viele Drohnenhersteller – allen voran DJI – haben ihre Modelle bewusst unter der 250-Grenze entwickelt, um Registrierungs- und Prüfungspflichten zu umgehen. Das führt dazu, dass Einsteiger oft denken, sie wären mit einer Mini-Drohne fein raus. Doch die Wahrheit ist differenzierter, wie wir gleich sehen werden.

Mythos 1: Unter 250g darfst du überall und jederzeit fliegen

Der Mythos: "Ich hab eine Mini-Drohne mit 249g – da darf ich machen, was ich will. Kein Führerschein, keine Regeln, volle Freiheit!"

Die Wahrheit: Weit gefehlt. Das Gewicht allein bestimmt nicht, wo du fliegen darfst. Selbst die leichtesten Drohnen unterliegen weiterhin fundamentalen Luftverkehrsregeln.

Die Erklärung: Auch wenn du keine Registrierung und keinen EU-Drohnenführerschein benötigst, gelten für alle Drohnen – unabhängig vom Gewicht – grundlegende Sicherheitsregeln. Du darfst niemals über Menschenmengen fliegen, nicht in der Nähe von Flughäfen, und must immer Sichtkontakt zu deiner Drohne halten. Besonders kritisch wird es bei sogenannten "geobasierten Einschränkungen": Viele Hersteller wie DJI programmieren in ihre Drohnen Flugverbotszonen ein, die automatisch greifen – etwa in der Nähe von Gefängnissen, Regierungsgebäuden oder Flughäfen. Diese Sperren funktionieren auch bei einer Mini-Drohne wie der DJI Mini 3 oder der Mini 4 Pro (beide 249g) und können nicht einfach umgangen werden.

Hinzu kommt: Das Gewicht ist nicht immer eindeutig. Mit montiertem Propellerschutz, Zusatzkamera oder sogar manchen SD-Karten kann eine "249g-Drohne" plötzlich über der Grenze liegen. Die Herstellerangaben beziehen sich meist auf das Basismodell ohne Zubehör.

Mythos 2: Drohnen über 250g brauchen immer den A2-Führerschein

Der Mythos: "Meine Drohne wiegt 720g (Air 3) – da brauche ich automatisch den großen A2-Führerschein, oder?"

Die Wahrheit: Nicht automatisch. Es kommt auf die genaue Kategorie an, und die unterscheidet sich vom bloßen Gewicht.

Die Erklärung: Die EU-Drohnenverordnung unterscheidet zwischen drei Betriebskategorien: offen, speziell und zulassungspflichtig. Die offene Kategorie – in der die meisten Hobbyflieger unterwegs sind – teilt sich wiederum in Unterkategorien auf: A1, A2 und A3. Das Gewicht ist dabei nur ein Faktor neben anderen Kriterien wie der Betriebsweise und dem Einsatzzweck.

Eine Drohne wie die Air 3 mit 720g fällt in die A2-Unterkategorie, ABER: Für die A2-Klasse brauchst du entweder den EU-Drohnenführerschein A2 oder – als Alternative – den kleineren A1-Führerschein und musst bestimmte Einschränkungen einhalten (wie Mindestabstand zu Menschen). Die Mavic 3 Pro mit 958g erfordert ebenfalls den A2-Führerschein, wobei hier zusätzliche Aspekte wie die max. Startmasse eine Rolle spielen.

Der entscheidende Punkt: Der "große Führerschein" (A2) ist nicht zwingend für alle Drohnen über 250g erforderlich – es gibt Zwischenstufen und Ausnahmen, die viele Piloten nicht kennen.

Mythos 3: Der Drohnenführerschein ist nur für kommerzielle Piloten relevant

Der Mythos: "Ich fliege nur privat, also brauche ich keinen Führerschein. Der ist nur für die, die damit Geld verdienen."

Die Wahrheit: Falsch. Der EU-Drohnenführerschein gilt sowohl für private als auch für gewerbliche Piloten – je nach Gewicht und Kategorie.

Die Erklärung: Hier liegt einer der gravierendsten Missverständnisse. Viele Hobby-Piloten glauben, dass die Führerschein-Pflicht nur greift, wenn man mit seiner Drohne Geld verdient. Das ist schlichtweg falsch. Die EU-Verordnung kennt keine Unterscheidung zwischen "privat" und "gewerblich" bei den Grundanforderungen. Was zählt, sind Gewicht, Kategorie und Betriebsart.

Wenn du eine Drohne über 250g in der offenen Kategorie betreibst, brauchst du – unabhängig vom Einsatzzweck – einen entsprechenden Befähigungsnachweis. Der sogenannte "kleine Führerschein" (A1/A2) ist für verschiedene Gewichtsklassen verpflichtend. Wer hingegen eine Drohne unter 250g wie die DJI Mini 3 Pro oder Mini 4 Pro fliegt, benötigt keinen Führerschein – weder privat noch gewerblich.

Übrigens: Selbst für gewerbliche Flüge gibt es verschiedene Wege. In der speziellen Kategorie kannst du unter bestimmten Bedingungen eine Betriebsgenehmigung beantragen, ohne den klassischen A2-Führerschein zu besitzen. Das macht die Sache noch komplexer – aber auch flexibler.

Mythos 4: Mini-Drohnen sind genau so leistungsfähig wie größere Modelle

Der Mythos: "Warum mehr ausgeben? Die Mini 4 Pro hat 4K, 34 Minuten Flugzeit und kostet nur 799€ – da ist die Mavic 3 Pro für 2199€ doch total überteuert!"

Die Wahrheit: Das Gewicht ist nicht der einzige Unterschied. Mini-Drohnen haben klare technische Limitationen, die bei anspruchsvollen Einsätzen relevant werden.

Die Erklärung: Ja, die Mini 4 Pro und DJI Mini 3 sind fantastische Einsteigermodelle mit beeindruckenden Specs für ihre Größe. Aber der Vergleich hinkt. Die Mavic 3 Pro bringt einen 4/3 CMOS Hasselblad-Sensor mit, der in einer völlig anderen Liga spielt als der 1/1.3-Zoll-Sensor der Mini-Serie. Das bedeutet: bessere Low-Light-Performance, höherer Dynamikumfang, mehr Flexibilität in der Nachbearbeitung.

Noch wichtiger: Die Mini-Drohnen sind windempfindlich. Ein 249g-Rahmengemüse hat physikalisch einfach weniger Stabilität als eine 958g schwere Profi-Drohne mit omnidirektionaler Hinderniserkennung. Wer ernsthafte Luftaufnahmen machen will, stößt mit der Mini-Serie schneller an Grenzen. Die Flighttime-Angaben sind zudem unter Idealbedingungen gemessen – bei Wind oder niedrigen Temperaturen sacken die Werte deutlich ab.

Der Führerschein ist also nicht das einzige Argument für oder gegen eine größere Drohne. Es geht um Ernsthaftigkeit des Einsatzzwecks, nicht um rechtliche Pflichten.

Mythos 5: Sobald du einen Führerschein hast, kannst du alles

Der Mythos: "Ich hab den A2-Führerschein in der Tasche – damit kann ich jetzt überall und jederzeit fliegen, auch in der Stadt oder bei Events."

Die Wahrheit: Mitnichten. Der Führerschein ist eine Voraussetzung, keine Freifahrkarte. Zusätzliche Genehmigungen können erforderlich sein.

Die Erklärung: Selbst der umfassendste EU-Drohnenführerschein befreit dich nicht von anderen rechtlichen Verpflichtungen. In Deutschland etwa gilt weiterhin das Luftverkehrsgesetz: Flüge über Menschenmengen, Industrieanlagen, Wohngebieten oder privaten Grundstücken können单独的 Genehmigungen erfordern – auch wenn du formal korrekt zertifiziert bist.

Die Mavic 3 Pro mit ihrem höheren Gewicht und professionellen Features fällt zudem unter strengere Auflagen. Wer damit in der Nähe von Flughäfen oder in kontrollierten Lufträumen fliegen möchte, muss eine Luftraum-Genehmigung beantragen. Das ist ein völlig separates Verfahren zum Drohnenführerschein.

Ein weiterer Punkt: Versicherung. Die Haftpflichtversicherung ist für alle Drohnen über 250g verpflichtend – unabhängig vom Führerschein. Und für gewerbliche Flüge empfiehlt sich zusätzlich eine Kasko-Versicherung, die bei Hobby-Piloten oft wegfällt.

Die richtige Entscheidung treffen: Darum geht es wirklich

Nachdem wir die Mythen entkräftet haben, wird eines klar: Es gibt keine pauschale Antwort auf die Frage, ob du einen Drohnenführerschein brauchst. Die Entscheidung hängt von deinem konkreten Setup ab – nicht nur vom Gewicht.

Wenn du eine Drohne unter 250g wie die Mini 4 Pro, DJI Mini 3 Pro oder DJI Mini 3 fliegst, benötigst du keinen EU-Drohnenführerschein. Du profitierst von maximaler Flexibilität bei minimalem bürokratischem Aufwand. Allerdings bist du nicht automatisch überall immun – lokale Vorschriften, Flugverbotszonen und Sicherheitsregeln gelten weiterhin.

Planst du, auf eine Drohne wie die Air 3 (720g) oder die Mavic 3 Pro (958g) aufzusteigen, wird's komplexer. Hier kommt der Führerschein ins Spiel – entweder der A1 mit Einschränkungen oder der volle A2. Dafür bekommst du aber auch professionelle Bildqualität, bessere Windstabilität und omnidirektionale Sensoren.

Der beste Rat: Überlege dir ehrlich, was du mit deiner Drohne erreichen willst. Für gelegentliche Urlaubsvideos reicht eine Mini-Drohne locker aus. Für ernsthafte Fotografie oder gar Arbeit sind die schwereren Modelle mit Führerschein die bessere Wahl – und die Investition lohnt sich.

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